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Kerajaan Sriwijaya

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Die Sonne war gerade am Horizont von Palembang im Jahr 683 n. Chr. aufgegangen. An einem großen Kai aus Eisenholz standen Tausende von Soldaten bereit. In ihrer Mitte stand ein Mann von außergewöhnlicher Autorität: Dapunta Hyang Sri Jayanasa.

Er hatte gerade eine heilige Reise, die Siddhayatra, beendet. Mit einer Flotte von 20.000 Soldaten blickte er auf die ruhige, aber tiefe Strömung des Musi-Flusses. „Hier“, flüsterte er, „wird das Zentrum der Welt entstehen.“

**Ruhm über dem Wasser**

Einige Jahrhunderte vergingen, und Srivijaya war nicht mehr nur eine einfache Siedlung aus Holz. Es hatte sich in einen Riesen verwandelt, dessen Füße das Meer beherrschten. Stellen Sie sich eine Stadt vor, in der die Häuser auf dem Wasser schwimmen und den Gezeiten des Flusses folgen, um vor Angriffen vom Land aus sicher zu sein.

Im Hafen herrschte ein reges Treiben. Alt-Malaiisch vermischte sich mit indischen, arabischen und chinesischen Dialekten. Große Schiffe, beladen mit Seide, Porzellan und Gewürzen, mussten hier ihre Segel streichen.

„Kein Schiff darf die Straße von Malakka ohne den Segen von Srivijaya passieren“, so lautete das ungeschriebene Gesetz jener Zeit.

**Licht aus dem Osten**

Doch bei Srivijaya ging es nicht nur um Gold und Steuern. In einem großen, prächtigen Kloster saßen Tausende von Mönchen in bräunlich-gelben Gewändern im Schneidersitz. Der Klang buddhistischer Mantras hallte durch den Morgennebel.

Ein chinesischer Reisender namens I-Tsing schrieb voller Bewunderung:
„Wenn ein Mönch nach Indien reisen möchte, um zu studieren, ist es besser, wenn er zuerst ein oder zwei Jahre in Srivijaya bleibt. Hier ist das Wissen bereits auf dem gleichen Niveau wie in den Bildungszentren Indiens.“

Srivijaya wurde zu einem Leuchtturm der Zivilisation. Sie bauten keine riesigen Steintempel wie auf Java (bevor sie schließlich durch die Sailendra-Dynastie am Bau des Borobudur beteiligt waren), sondern errichteten „Tempel des Wissens“ in den Herzen der Gelehrten.

**Der Sturm, der einschlug**

Der immense Reichtum erregte Neid. Auf der anderen Seite des Ozeans rüstete das Chola-Reich aus Indien Tausende von Kriegsschiffen aus. Im Jahr 1025 n. Chr. verdunkelte sich der Himmel über Srivijaya nicht durch Wolken, sondern durch Tausende von Brandpfeilen.

Dieser Angriff lähmte das wirtschaftliche Herz von Srivijaya. Obwohl es nicht sofort unterging, begann der Riese zu wanken. Allmählich verlandeten die Flüsse durch Schlamm, große Schiffe konnten nicht mehr anlegen, und nacheinander lösten sich ihre Herrschaftsgebiete los.

**Das Ende einer Legende**

Im 14. Jahrhundert versanken die Überreste des Ruhms allmählich in der Stille. Der tropische Regenwald bedeckte die Ruinen der Holzgebäude, und der Name Srivijaya verschwand für Jahrhunderte aus dem Gedächtnis der Menschen des Archipels, als wäre dieses Königreich nur ein Mythos gewesen.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckten Archäologen beschriftete Steine (Inschriften), die förmlich aus der Vergangenheit schrien: „Wir waren hier, und wir beherrschten einst die Ozeane.“