Kembali ke Daftar

Timun Mas

Deutsch

In einem abgelegenen Dorf am Fuße eines Berges lebte eine alte Frau namens Mbok Srini. Die Einsamkeit war ihr täglicher Begleiter. Eines Nachmittags stieg sie zu einem heiligen Wald hinauf und rief zum Himmel: „Wer auch immer du bist, bitte gib mir ein Kind!“

Plötzlich bebte die Erde. Ein riesiger grüner Riese, Buto Ijo, erschien hinter den Bäumen. Seine Stimme klang wie Donner, der die Hügel spaltete. „Ich kann dir ein Kind geben, alte Frau. Aber denk daran, wenn es erwachsen ist, wird es meine Mahlzeit sein!“

Mbok Srini, die verzweifelt war, nickte zustimmend. Der Riese gab ihr einen magischen Gurkensamen.

**Das Mädchen aus der goldenen Frucht**

Mbok Srini pflanzte den Samen mit viel Liebe. In nur wenigen Tagen wuchs eine riesige, goldene Gurke in ihrem Garten. Mit zitternden Händen schnitt sie die Frucht auf. Anstelle von Kernen fand sie ein winziges, wunderschönes Mädchen. Sie nannte sie Timun Mas.

Die Jahre vergingen, und Timun Mas wuchs zu einem klugen und flinken Mädchen heran. Doch die Schatten des alten Versprechens begannen Mbok Srini heimzusuchen. Als Timun Mas genau 17 Jahre alt wurde, kehrte der Riese zurück. „Mbok Srini! Wo ist dein Versprechen? Ich habe Hunger!“

**Die entscheidende Flucht**

Mbok Srini gab ihr Kind nicht einfach so auf. Sie hatte vier kleine Stoffbeutel vorbereitet, die sie von einem mächtigen Eremiten erhalten hatte. „Lauf, mein Kind! Schau nicht zurück!“, befahl sie Timun Mas.

Timun Mas rannte so schnell sie konnte in den Wald, doch die Schritte des Riesen waren viel weiter. Als Buto Ijo fast ihren Kragen packte, warf Timun Mas den ersten Beutel: Gurkensamen.

Augenblicklich verwandelte sich der Wald in ein riesiges Gurkenfeld. Die Ranken umschlangen Buto Ijos Beine. Der Riese wurde aufgehalten, weil er damit beschäftigt war, die Früchte zu essen, doch er befreite sich bald und nahm die Verfolgung noch grimmiger wieder auf.

**Zwischen Leben und Tod**

Timun Mas warf den zweiten Beutel: Nadeln. Im Handumdrehen verwandelten sich die Nadeln in einen Wald aus sehr hohem und scharfem Bambus. Buto Ijos Füße und Körper wurden durchbohrt, doch sein Zorn ließ ihn keinen Schmerz spüren. Er stürmte weiter voran.

Voller Angst warf Timun Mas den dritten Beutel: Salz. Der Boden hinter ihr brach plötzlich ein und verwandelte sich in ein weites, tiefes Meer. Buto Ijo ging fast unter, aber mit seiner unglaublichen Kraft schaffte er es, ans Ufer zu schwimmen.

**Die letzte Waffe**

Timun Mas war außer Atem. Sie stand bereits am Rande einer Klippe, und Buto Ijo war direkt vor ihr und lachte lautstark. „Du kannst nicht mehr weglaufen, kleines Mädchen!“

Mit einem Gebet im Herzen warf Timun Mas den letzten Beutel: Garnelenpaste.

Ein Wunder geschah. Der Boden, auf dem Buto Ijo stand, verwandelte sich in einen siedenden Schlammkrater, der alles über sich einsaugte. Der Riese brüllte vor Schmerz und versuchte, sich herauszuziehen, doch der Schlamm zog ihn nur noch tiefer in das Innere der Erde. Innerhalb weniger Minuten wurde der Wald wieder still. Buto Ijo war verschwunden.

**Eine friedliche Heimkehr**

Timun Mas ging mit zittrigen Beinen, aber erleichtertem Herzen zurück zur Hütte ihrer Mutter. Mbok Srini, die schluchzend weinte, schloss ihre Tochter sofort fest in die Arme. Es gab keinen Riesen mehr, kein dunkles Versprechen mehr. Schließlich lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage am Fuße des ruhigen Berges.