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Wewe Gombel

Deutsch

In einem abgelegenen Dorf an einem Berghang, der ständig in Nebel gehüllt war, lebte ein Junge namens Aris. Aris war ein aktives Kind, doch oft ignorierte er den Rat seiner Mutter, vor Sonnenuntergang nach Hause zu kommen.

„Aris, wenn du das ‚Teng-Teng-Teng‘ des Strommasts hörst, komm sofort nach Hause. Spiel nicht unter jenem Kapokbaum, wenn die Abenddämmerung hereinbricht“, ermahnte ihn seine Mutter immer wieder.

Doch an jenem Nachmittag war Aris zu sehr in sein Murmelspiel in der Nähe des Bambuswaldes vertieft. Das orangefarbene Licht am Horizont verwandelte sich langsam in ein tiefes Violett und dann in Dunkelheit. Seine Freunde waren schon längst nach Hause gegangen, aber Aris hatte das Gefühl, dass jemand hinter dem dichten Gebüsch seinen Namen rief.

**Begegnung im Nebel**

Die Stimme war sanft, wie die seiner Mutter, klang jedoch schwerer und hallte nach. Aris ging näher auf den großen Kapokbaum zu. Plötzlich fühlte sich die Luft eiskalt an, und der Geruch von feuchter Erde stieg ihm in die Nase.

Dort stand eine sehr große Frauengestalt. Ihr langes Haar reichte bis zum Boden und war so zerzaust wie Palmfasern. Das Erschreckendste war ihr Paar Brüste, die so lang und groß waren, dass sie bis zum Bauch hingen. Bevor Aris schreien konnte, hob die Frau – die Wewe Gombel – ihn sanft hoch und versteckte ihn hinter ihren breiten Brüsten.

Aris spürte keinen Schmerz; stattdessen fühlte er sich wie in einer anderen, stillen Welt. Er sah köstliches Essen vor sich: gelben Reis und Brathähnchen. In Wirklichkeit aß er jedoch Kuhdung und Maden, doch seine Augen waren von der Geistgestalt verzaubert worden.

**Die Suche im Dorf**

Im Dorf herrschte Aufregung. Aris' Mutter weinte hysterisch. Die Dorfbewohner versammelten sich sofort mit Küchengeräten: Töpfen, Pfannen und Blechkanistern.

„Los, schlagt auf alles ein! Wir machen so viel Lärm, dass der Wewe Gombel die Ohren wehtun und sie Aris freilässt!“, rief der Dorfvorsteher.

Alle Dorfbewohner zogen durch das Dorf und schlugen lautstark auf die Küchengeräte ein.

Teng! Preng! Juar!

Der Lärm durchschnitt die Stille der Nacht. Sie steuerten auf den Kapokbaum am Rande des Bambuswaldes zu. Sie wussten, dass die Wewe Gombel Lärm und Menschenmassen hasste.

**Aris' Rückkehr**

In seinem Versteck hörte Aris plötzlich den ohrenbetäubenden Lärm. Der Zauber in seinen Augen verflog. Das köstliche Essen von vorhin verwandelte sich in einen ekelerregenden Haufen Abfall. Er sah das totenblasse Gesicht der Wewe Gombel, die durch die Geräusche der Dorfbewohner sichtlich Schmerzen litt.

Die Wewe Gombel setzte Aris schließlich auf einen niedrigen Ast und verschwand im Nachtnebel.

Die Dorfbewohner fanden Aris in einem benommenen Zustand; er saß auf dem Ast und starrte ins Leere. Seine Mutter schloss ihn sofort fest in die Arme. Von diesem Tag an wagte Aris es nie wieder, draußen zu sein, wenn der Abendruf zum Gebet erklang.

**Moral der Geschichte:** Schätze die Zeit und höre auf den Rat deiner Eltern. Der Mythos der Wewe Gombel dient eigentlich als Erinnerung für Kinder, bei Einbruch der Dunkelheit sicher im Haus zu bleiben.